Unheilbare COPD: Social Media Kampagne

Atemweg Stiftung und Lungenforschende von CPC-M und LMU-Klinik ziehen positive Bilanz

Rund 2 Millionen Kontakte in den sozialen Medien und eine deutlich sichtbare Sensibilität für die unheilbare Lungenkrankheit – das sind die wichtigsten Erkenntnisse nach Abschluss der Kampagne im November/Dezember 2026. Auf Facebook und LinkedIn hatten die Partner die dringend nötige Erforschung der Krankheit in den Fokus der Öffentlichkeit gebracht. Denn COPD ist eine unterschätzte Krankheit und die Forschung unterfinanziert – so erklärt Prof. Dr. Önder Yildirim,Direktor des CPC-M, des Standorts München des Deutschen Zentrums für Lungenforschung, den Hauptgrund für die Kampagne:

„COPD ist weltweit die dritthäufigste Todesursache, in Deutschland leiden mehr als 3 Millionen Menschen daran. Trotzdem bleiben sowohl das öffentliche Bewusstsein als auch die Sichtbarkeit der Forschung hinter der medizinischen Bedeutung zurück. Hier wollten wir dringend gegensteuern!“

„Es ist eine Aufholjagd“, ergänzt die Organisatorin der Kampagne am CPC-M, Wissenschaftsjournalistin Doris Hammerschmidt: „Die Lungenforschung ist eine vergleichsweise junge Disziplin, vor hundert Jahren wussten Forschende einiges über Lungenentzündung, Tuberkulose und nur wenig über Asthma. Allein den Begriff COPD kennen wir erst seit Mitte der 1960er Jahre und die meisten Menschen wissen wenig damit anzufangen!“

Vor diesem Hintergrund starteten diese insgesamt fünf Partner ihre Kampagne:

In einem zweiphasiger Ansatz sollte zunächst die breite Öffentlichkeit grundlegend über COPD informiert werden. Anschließend sollte die laufende Forschung zu dieser bislang nicht heilbaren Erkrankung in der Region München stärker in den Fokus rücken.

Die erste Phase begann Mitte Oktober auf der Facebook-Seite der Atemweg Stiftung. Ansprechende Motive mit Portraits und Zitaten wie „Das bisschen Husten soll COPD sein?“ (siehe Bild oben) lotsten die Nutzer zu einem interaktiven COPD-Selbsttest (nach Ende der Kampagne auch hier online). Er vermittelte Risikofaktoren, frühe Symptome und die Bedeutung einer rechtzeitigen Diagnose. Für Nutzer mit Ergebnis „mögliches Risiko“ gab es die Empfehlung, zum Arzt zu gehen oder am LMU-Klinikum in der Münchener Innenstadt die neu eröffnete Ambulanz für Atemwegsfrüherkrankungen zu kontaktieren. Die Pneumologen in dieser neu aufgebauten und von der Atemweg Stiftung finanzierten Forschungs-Ambulanz wollen COPD-Patient:innen frühzeitig identifizieren - und damit möglichst verhindern, dass die Krankheit entsteht und die Lebensqualität wesentlich beeinträchtigt wird.

Die Resonanz war hoch: Innerhalb weniger Wochen erreichte die Kampagne mehrere Hunderttausend Menschen im Raum München und erzielte Interaktionsraten deutlich über den üblichen Vergleichswerten. Mehr als 16.000 Personen schlossen den COPD-Selbsttest vollständig ab – ein klares Zeichen für das große Interesse am Thema und den Bedarf an niedrigschwelligen Informationsangeboten.

In der zweiten Phase, mit Höhepunkt rund um den Welt-COPD-Tag am 19. November, wurde der Fokus erweitert: Während Facebook weiterhin zur Ansprache der allgemeinen Öffentlichkeit genutzt wurde, richtete sich die Kommunikation auf dem LinkedIn-Kanal des CPC-M gezielt an Entscheidungsträger:innen, Medien, Politik sowie potenzielle Unterstützer:innen aus dem Forschungsumfeld in der Region München. Neue Motive mit Forschenden und wissenschaftlichen Inhalten von CPC-M und LMU-Klinik rückten die COPD-Forschung und die beteiligten Partner in den Mittelpunkt. Trotz der für professionelle Netzwerke typischen höheren Kosten erzielte die LinkedIn-Kampagne eine solide Reichweite und gute Interaktionswerte innerhalb der definierten Zielgruppen.

Ein Ergebnis zeigte für Wissenschaftskommunikatorin Doris Hammerschmidt, wie wichtig diese und weitere Kampagnen sind: „Beim COPD-Risiko-Test hatte fast die Hälfte der Teilnehmer ein ‚mögliches Risiko‘. Das soll nicht alarmistisch sein, aber es zeigt doch, welche Relevanz das Thema hat!“

Davon sind auch die Finanziers der Studie überzeugt, wie der Vorstand der  Atemweg Stiftung für Lungengesundheit, Prof. Jürgen Behr (LMU-Klinik) erläutert: „Wir konnten sehen, dass im Kampagnenzeitraum mehr Besucher auf unserer Website zu verzeichnen waren, das ist erfreulich. Es bedeutet aber weiter: Wir sind gerade in einer kritischen Phase der COPD-Erforschung, wir sind der frühen Entstehungsgeschichte und den Risiko-Faktoren auf der Spur. Dafür haben wir die Ambulanz zur Früherkennung von Atemwegserkrankungen eröffnet, aber wir brauchen weitere Unterstützung!“

Insgesamt zeigt die Kampagne, dass ein differenzierter, zweistufiger Kommunikationsansatz erfolgreich Gesundheitsaufklärung mit der Sichtbarkeit biomedizinischer Forschung verbinden kann. Sie stärkte das Bewusstsein für COPD in der Bevölkerung und unterstrich zugleich die Relevanz und Qualität der laufenden Forschungsarbeiten in der Region München. Die Ergebnisse sind eine belastbare Grundlage für zukünftige Kommunikationsmaßnahmen, die von den beteiligten Partnern bereits diskutiert werden.