Die Behandlung von Lungenkrebs entwickelt sich weiter rasant. Medikamente wie Immuncheckpoint-Inhibitoren und zielgerichtete Therapien werden nicht mehr nur bei fortgeschrittener Erkrankung eingesetzt, sondern zunehmend auch in frühen Stadien - oft kombiniert mit Operation und Bestrahlung. Das verbessert die Heilungschancen, bringt aber neue Fragen: Welche Therapie passt zu welchem Patienten? In welcher Reihenfolge? Wie lassen sich Nebenwirkungen vermeiden? Und wie können wir die Kosten im Blick behalten?
Das Lungentumorzentrum München, ein Zusammenschluss von LMU-Klinikum und Asklepios Lungenklinik Gauting will diese Fragen beantworten. Die Josef Plainn-Stiftung fördert dieses Vorhaben erneut mit 200.000 Euro. Prof. Dr. Amanda Tufman, Leiterin des Lungentumorzentrums München am LMU-Klinikum und CPC-M-Gruppenleiterin CPC-M, erklärt:
„Wir wollen die Therapie individueller machen. Dafür brauchen wir klinische Daten, Gewebeproben und die enge Zusammenarbeit vieler Partner. Die Förderung der Josef Plainn-Stiftung ermöglicht uns, unsere bereits begonnenen Projekt auch 2026 fortzuführen.“
Diese drei Projekte stehen im Fokus:
1. ALICE-Studie – Geschlechtsunterschiede bei Immuntherapie
Checkpoint-Inhibitoren helfen dem Immunsystem, Tumorzellen zu erkennen und zu bekämpfen. Doch es gibt Hinweise, dass Frauen anders auf diese Therapie reagieren als Männer. Die Gründe sind unklar – möglicherweise spielen Hormone, Schwangerschaften oder Unterschiede im Immunsystem eine Rolle.
2025 wurden bereits 100 Patientinnen und Patienten eingeschlossen, erste Ergebnisse präsentierte das Team auf der World Lung Cancer Conference in Barcelona. 2026 soll die Zahl auf 300 steigen, um auch frühe Stadien zu erfassen. Zusätzlich werden Blut- und Gewebeproben analysiert, um die Immunantwort besser zu verstehen.
2. Regionale Immunreaktion – Lymphknoten im Fokus
Bei Lungenkrebs im Frühstadium ist die Operation oft heilend. Doch wenn Lymphknoten betroffen sind, steigt das Risiko für Rückfälle. Das Projekt untersucht, wie Immunzellen in Lymphknoten und Blut auf Tumoren reagieren und warum manche Patienten trotz Immuntherapie ein Rezidiv entwickeln. Ziel ist, die Nachsorge und zusätzliche Therapien gezielter zu planen.
3. Angiogenesehemmer – Blutversorgung des Tumors unterbrechen
Tumore brauchen neue Blutgefäße, um zu wachsen. Medikamente, die diese Neubildung hemmen, werden meist zusammen mit Chemotherapie eingesetzt. Doch nicht alle Patienten profitieren davon. Das Projekt analysiert große Versorgungsdaten und sucht Faktoren, die den Erfolg vorhersagen. Auch die Kombination mit Immuntherapie und die Rolle von mRNA-Impfungen werden untersucht.
Kooperation und Förderung
Die Projekte entstehen in enger Zusammenarbeit mit Forschungsgruppen in der Thoraxchirurgie der LMU, dem Bayerischen Krebsforschungszentrum (BZKF), den Asklepios Fachkliniken München-Gauting, dem CPC-M (Standort München Deutsches Zentrum für Lungenforschung) und weiteren Partnern. Für 2026 ist ein Gesamtbudget von 200.000 Euro vorgesehen.
Prof. Tufman betont: „Unser Ziel ist eine Therapie, die nicht nur wirksam, sondern auch verträglich ist. Dafür müssen wir verstehen, wie das Immunsystem auf Krebs reagiert – und warum es manchmal versagt.“
Hier erfahren Sie mehr über das Lungentumorzentrum München:
https://www.lungentumorzentrum-muenchen.de/ccc-Lungentumorzentrum


