COPD-iNET/ERS Seminar 2025

Internationales Forschungsseminar betont Chancen für frühe Intervention bei COPD

CPC-M Forschende (v.li) Camila Melo-Narvaez, Mareike Lehmann, Thomas Conlon, Önder Yildirim, Chiara Goracci, Roxana Wasnick

Das European Respiratory Society (ERS) / COPD-iNET Research Seminar in Prag brachte mehr als 120 Kliniker:innen, Forscher:innen und Patientenvertreter:innen zusammen, um eine der größten Herausforderungen der Lungenmedizin zu diskutieren: die Chronisch Obstruktive Lungenerkrankung (COPD).

Im Verlauf von zwei Tagen zeigte das Seminar, wie interdisziplinäre und internationale Zusammenarbeit Innovationen und neue therapeutische Perspektiven vorantreiben kann. Organisiert wurde die Veranstaltung von Prof. Mareike Lehmann (CPC-M, Helmholtz Munich + Institut für Lungenforschung der Universität Marburg, DZL) sowie Prof. Suzanne Cloonan (Trinity College Dublin).

Zentrale Erkenntnis: COPD beginnt früh

Eine der wichtigsten Botschaften des Treffens war, dass COPD bereits früh im Leben entsteht. Faktoren wie Frühgeburtlichkeit und Infektionen in der frühen Kindheit können die Lungenentwicklung und -funktion langfristig beeinflussen. Wie Mareike Lehmann in ihrer Eröffnungsrede betonte: „Wir müssen diese frühen Ursachen von Krankheiten verstehen, um COPD nicht nur zu heilen, sondern auch zu verhindern.“

Mehrere Vorträge befassten sich mit der Frage, warum sich manche Menschen von frühen Lungenschädigungen erholen können und wie sich dieser „Aufholprozess“ auf molekularer Ebene entschlüsseln lässt. Die Teilnehmenden waren sich einig, dass es ein entscheidendes Zeitfenster gibt, um diese regenerative Fähigkeit zu verstehen – und möglicherweise therapeutisch zu nutzen.

Auf dem Weg zu besseren Biomarkern der Krankheitsaktivität

Die derzeit üblichen Diagnoseparameter wie FEV1 und GOLD-Stadien reichen nicht aus, um Krankheitsaktivität und -verlauf umfassend zu erfassen. Fortschritte in der molekularen Bildgebung und Biomarkerforschung sind daher von zentraler Bedeutung. Räumliche molekulare Profilierung und zelltypspezifisches Targeting könnten helfen, den optimalen Zeitpunkt und Ort für therapeutische Eingriffe zu bestimmen.

In Workshops wurden translationale Forschungsinstrumente wie humane Organoide, Lung-on-Chip-Modelle mit Immunzellen sowie KI-basierte Plattformen wie digitale Zwillinge diskutiert – allesamt Werkzeuge, die das Verständnis der COPD-Pathologie und neuer Behandlungsansätze erweitern.

Patientenperspektiven und Auszeichnungen

Patientenvertreter Michael Drohan teilte seine persönliche Geschichte, die die Komplexität der Erkrankung und die Möglichkeiten zur Verbesserung durch Rehabilitation verdeutlichte.

Darüber hinaus wurden herausragende Nachwuchsforschende mit Posterpreisen ausgezeichnet:

  • Dr. Maria Camila Melo Narvaez (DZL Standort München, CPC-M +  Institut für Lungenforschung, Universität Marburg, DZL)
  • Ayu Hitami Syarif (Medizinische Universität Graz)
  • Hanne Voet (Universität Antwerpen)

Zusammenarbeit als Schlüssel zum Fortschritt

Das Treffen endete mit einem klaren Appell zur Fortsetzung der internationalen Zusammenarbeit in Netzwerken wie COPD-iNET. Wie Prof. Önder Yildirim, Direktor des DZL-Standorts München (CPC-M), zusammenfasste:

„Nur gemeinsam können wir COPD verhindern und heilen. Die zwei Tage hier in Prag haben erneut gezeigt, wie wichtig dieses Netzwerk ist, um dieser schweren Krankheit zu begegnen.“

Über COPD-iNET:

Das internationale Netzwerk wurde gegründet von Önder Yildirim, Mareike Lehmann, Thomas Conlon, Theo Kapellos, Roxana Wasnick (alle CPC-M, DZL-Standort München) und weiteren internationalen Kollegen. Der Schwerpunkt liegt auf der Förderung der translationalen COPD-Forschung durch regelmäßigen Austausch über aktuelle Projekte wie modernste humane In-vitro-Modelle, neueste systembiologische und KI-basierte Ansätze und klinische Kohorten.

Mehr erfahren unter copd-inet.com